Es ist überliefert, dass Seasick Steve eines Tages backstage bei einem Festival aus einem Nickerchen erwachte, im irrigen Glauben, die Allman Brothers ca. 1972 auf der Bühne zu hören. Es waren DeWolff.
Zum Zeitpunkt ihres ersten Plattenvertrages, 2008, war Schlagzeuger Luka van de Poel erst 14, Gitarrist Pablo van de Poel 16, Keyboarder Robin Piso 17 Jahre alt. Trotz ihrer Jugend galten die Niederländer schnell als die große Hoffnung wilden, psychedelischen Sixties-Blues-Rocks, der die Hörer mitnahm in eine Zeit, in der Led Zeppelin, Cream, und Deep Purple die Welt beherrschten. Seitdem nahmen sie sechs weitere Alben auf, von denen fünf in den niederländischen Top-20 Charts landeten, sie spielten über 1000 Shows rund um den Globus und bekamen 2019 den renommierten niederländischen Edison-Award in der Kategorie „Best Rock Band“ verliehen. Sie bedienen sich beim Southern Rock, sind durchaus swampy unterwegs, haben hier und da gar einen Dr.John/New Orleans-Vibe, dann wieder klingen sie, als hätten sie sich in Kalifornien den Schliff für ihr ausgefuchstes Songwriting geholt. Und rocken dabei wuchtig.
Jüngst sah ich sie nach fast exakt zehn Jahren wieder live. Heiliger Strohsack – sind die gut! Sie sind gereift, rocken nach wie vor laut – das aber kultiviert und classy, einfach stilvoll. Sie sind weit mehr als nur eine der vielen Retro-Acts, deren Originalität sich manches Mal in der Zurschaustellung von fancy vintage Mode-Accessoires erschöpft.
Abwechselnd dachte ich an Mountain, an Neal Casal, an The Band und an Birth of Joy – mit denen sie die identische Instrumentierung verbindet. Gitarre, Gesang, Schlagzeug, Hammond-Schweineorgel und gute Songs – mehr braucht es nicht. Natürlich erinnern sie nach wie vor auch hier und da an die bereits erwähnten Altvorderen des Rocks – allerdings klingen DeWolff als hätten sich diese im Joshua Tree zusammengefunden. Sehr seelenvoll, nie glatt, immer auch überraschend. Und trotzdem laut. Die Zukunft des Rock’n’Roll bedient sich der Vergangenheit. Muss ja nicht falsch sein. Kann sogar sehr richtig sein. So wie bei DeWolff.

(Foto: Satellite June)

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