Es war 2010, zum OBS 14. Da saß eine den meisten Festivalgästen zuvor völlig unbekannte Band auf der OBS-Bühne, fast schüchtern, während sie eine warme, brüchige, in sich gekehrte Version von Indie-Folk kontrolliert in die Menge tröpfeln ließ. Und das in einer Dosierung, die offensichtlich allen Anwesenden inständige Glücksgefühle bescherte.

GARDA waren seitdem nie eine Band, die ständig präsent gewesen wäre, kein „act to watch“, wie es im Musikbusiness-Sprech heißen mag, ihre Veröffentlichungen und Tourneen tauchten nicht zu Dutzenden auf. Ganz so wie sie um sich und ihre Musik nie zu viel Bohei machten, verlief auch ihre Karriere. Immer ein Schritt nach dem anderen, die Momente sich künstlerisch in und mit GARDA zu äußern ergaben sich fast von selbst. Es ist, genau besehen, ein rares Glück, sich dem Hamsterrad der stetigen Album-Tournee-Album-Routine widersetzen zu können, die Gelassenheit zu haben, gerade mal drei Alben in zehn Jahren zu veröffentlichen. Da ist kein Ausschuss, kein überflüssiger Ton, kein Tand. Kein Wunder auch, dass sie sich auf Facebook lediglich als „A band from Dresden, Germany“ beschreiben. Mehr Worte müssen nicht gemacht werden.

Dass alle drei Alben grandios sind muss hier übrigens kaum Erwähnung finden, ich möchte allerdings ausdrücklich noch mal darauf hinweisen, dass „ODDS“ ein wahres Meisterwerk ist, eines der überragenden Alben des vergangenen Jahres.
Musikalisch haben sich GARDA, verglichen mit ihren Anfängen, mittlerweile der Grandezza geöffnet, instrumental vielschichtig werden Lieder dargebracht, die oft karg beginnen, sich dann entfalten, weit ausholen, deren emotionale Intensität sich auftürmt, die textliche Ebene mitnimmt, um dann im großen Crescendo zu kulminieren.

Langsam dahin fließende Passagen werden von einer sich majestätisch aufbäumenden Instrumentalisierung aufgefangen. Immer wiederentwickeln sich die Songs zu orchestralen Gebilden aus Streichern, Bläsern, Vibraphon, Pedal Steel Guitar undPercussion, bevor sie sich wieder in sich kehren, fast spröde werden.

Kai Lehmanns Stimme lässt durch ihre zurückgenommene Verletzlichkeitdie orchestralen Gebilde immer wieder einstürzen, bis sie selber so zerbrechlich scheint, dass man fürchtet, sie bräche jeden Moment weg.

Auch wenn sich Garda mittlerweile von früheren Folk-Zusammenhängen immer mehr emanzipiert, ist noch immer spürbar, dass ein Teil der Band nebenGarda in der experimentellen Folkband The Gentle Lurch spielt. Gleichzeitig lebt ihre Musik von eingängigen Pop-Momenten, genauso wie von einer schroffen, rohen Kraft, die zumindest in Spurenelementen frühere Emo- und Posthardcore-Bezüge der Band erahnen lässt. Gerade diese Vielschichtigkeit macht Garda zu einer jenerseltenen Bands,  die es wie selbstverständlich schafft die Grenzen ihrer Kunstform fast unmerklich, aber bewusst zu verschieben.

GARDA werden bei uns im Garten einen ihrer raren Auftritte zusammen mit dem ENSEMBLE TANDERAS bestreiten, einem Streichquartett, das u.a. bereits mit Blixa Bargeld, Alin Coen, The Slow Show oder Woods of Birnam arbeitete.Das große Besteck: Elf (in Zahlen: 11) Musiker werden auf unserer kleinen Bühne stehen und dem OBS 23 am Sonntagabend einen würdigen, majestätischen, Atem nehmenden Abschluss bescheren. Ich weine schon jetzt vor Freude.

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(Foto: Günther Michel)