Hui – das, was Gringo Mayer und seine Kegelband machen hat Wert, universellen Wert sogar. Im Kurpfälzer Idiom unterwegs, gehen seine Lieder weit über das hinaus, was man vordergründig evtl. leicht abschätzig als „Mundart-Rock“ wahrnehmen könnte. Der gebürtige Ludwigshafener und Wahl-Mannheimer ist ein enorm einnehmender Bühnen-Charakter, man glaubt ihm jedes Wort – wenn man es denn versteht. Er ist eine zugewandte Rampensau, verkörpert alle Eigenschaften einer tragikomischen Figur, die genau diesen bittersüßen Zwischenraum besetzt, in welchem süffisanter Humor, Selbstreflexion und Schmerz sich berühren. Seine Songs voll pointierter Beobachtungen zeugen von tiefer Empathie, sie sind weltumarmend, freiheitsdurstig und gleichzeitig verschmitzt genug, um sich selbst nicht allzu ernst zu nehmen.
Man fühlt mit ihm, diesem unbeirrbaren, kühnen Rosenkavalier, der hadert und doch liebt, der die Absurditäten des Alltags mit schulterzuckender Leichtigkeit kommentiert und der die lakonische Erkenntnis verinnerlicht hat, dass das Wesen der Attraktion die Enttäuschung ist.
Ja, ich würde ihm einen Gebrauchtwagen abkaufen. Ja, ich würde nächtelang in verrauchten Hinterzimmern mit ihm billigen Fusel stürzen und en passant die Irrungen und Wirrungen dieser Welt diskutieren. Ja, ich würde an seinen Lippen hängen, seinem Witz und seiner Weltsicht folgend, mich an seinem mild sarkastischen Humor berauschen.
All das will man, wenn man eines seiner Konzerte erlebt. Die Kegelband ist dabei eine perfide-perfekte Maschine, die dem Protagonisten völlig uneitel einen brillanten musikalischen Rahmen baut, der nicht nur auf den ersten Blick imposant ist. Gringo Mayers Musik ist ein furioses Feuerwerk aus Indie, Pop, Soul und Folk, das mit großer erzählerischer Kraft Geschichten aus den schattigsten Ecken unserer Welt auf die Bühne bringt. Hymnen über das Straucheln und Aufrappeln, das Funkeln in schummrigen Ecken, Lieder, zu denen man tanzen und lachen kann – wenn das Lachen nicht im Halse stecken bleibt. Sein Stil ist charmant und doppelbödig, sein Dialekt wirkt einladend, aber nicht eng, er öffnet sich wie ein weiter Himmel: „Mir gugge in die Ferne / So weit wie’s eben geht“ konstatiert er, „hier gibt’s doch kää Sterne / hier gibt’s nur die Fabrigg.“
Ein großartiger Typ mit großartigen Spießgesellen – das wird ein großartiges Konzert unter unserem Kirschbaum.
(Foto: Christina Gotz)
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