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rembert rembert schrieb am 5. Juli 2016 um 17:47
@peper: Huh, darüber könnte ich stundenlang diskutieren. Ist aber immer etwas unangenehm, denn das liest sich so, als wolle man - genau wie Du es formulierst - Distinktion für Eingewihte gewinnen. In aller Kürze: Ja, auch für mich war Superfuzz Bigmuff der Grunge-Urknall, Mudhoney die Blaupause. Green River gab es vorher (packten mich aber nicht so wie Mudhoney) - deren Einflüsse herauszuarbeiten ist aber trotzdem interessant und führen genau auf die Fährte, die Du erwähntest: Hardrock. Bei Mudhoney kamen Sixties-Garage, The Stooges und Humor dazu. Tad, Blood Circus, Nirvana, Cat Butt - oha, da war schon was los in Seattle, Ende der 80er. Eine Szene im besten Sinne, isoliert da oben im Nordwesten, es lag wohl in der Luft. Damit es passierte, wurden aber Katalisatoren gebraucht: Clubs, Booker, Labelbetreiber, Radiomenschen. C/Z Records und Sub Pop schoben es an. Es war anfangs weit mehr als Marketing. Irgendwann aber (nach meiner Zeitrechnung fing das mit Pearl Jam an) war der Geist aus der Flasche und die Vermarktungshoheit nicht mehr bei coolen Indie-Labels. Und plötzlich rufen Stadtmagzine bei uns an und wollen eine Modestrecke mit "Grunge-Wear" machen, "fünf Models sind gebucht, ihr müsst nur noch die Klamotten schicken" (O-Ton). Wir haben ihnen den zerfetzten Inhalt eines Caritas-Kleidersackes geschickt. Und hatten unsere erste Modestrecke - ohne Mode. Ab da konnte man nur noch mit zynischem Humor auf die weiteren Entwicklungen reagieren. Dass im Quelle-Katalog plötzlich für eine Eigenmarke das Sub-Pop-Logo abgekupfert wurde, dass John Bongiovi angeblich zu seinem Vater sagte: "Ich brauche eine Frisur wie dieser Typ von Nirvana". Dass all dieser fürchterliche Stadionrock der 90er aus dieser unschuldigen Pflanze Grunge entstand. Zurück zu den Einflüssen: da wird Dir jeder etwas anderes erzählen, aber The Wipers (Portland war ja nicht sooo weit entfernt von Seattle), The Sonics (20 Jahre zuvor aber - aus Seattle), Stooges, MC5 waren sicher bei vielen unter den Einflussgrößen. Und ja, H.P. Zinker zählte(n) auch für mich zu dem heißen Scheiß. Wie z.B. auch Caspar Brötzmann Massaker oder die Speedniggs. Ist aber allen leider kein überdauernder Ruhm beschert worden. Auch gut: es gibt auch heute noch richtig geilen Scheiß. Im nächsten Jahr dann die AmRep-Diskussion, würde zu weit führen jetzt.
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