Programm-Diskussion

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Gauqler Gauqler schrieb am 6. Juni 2017 um 16:27
Glitterhouse hat mal wieder die Welt ausgeschaltet. Auch wenn dieses Mal das Motto gezwungenermaßen wieder einem neuen weichen musste, bleibt das letztjährige doch irgendwo haften. 'Welt aus, OBS an' trifft es einfach. Denn, wer sehnt sich in dieser unglaublich kompliziert und bescheuert gewordenen (gebliebenen?) Welt nicht nach drei Tagen Ausblendung von dem ganzen Hass und der Gier, die das Weltgeschehen beherrschen. Das Orange Blossom Special wirkt wie eine Kur, bekommt man doch wieder ein Stück Hoffnung mitgegeben, die allerdings auch ein ganzes Jahr halten muss. Für die 21. Ausgabe wurde ein neues, aber nicht minder aussagekräftiges Motto gefunden. Denn irgendwie beschreibt 'Nothing this beautiful' eigentlich sehr gut, welche großen Momente im beschaulichen Beverungen geschaffen werden. Sei es von den Künstlern, vom gesamten OBS-Team oder eben auch vom Publikum. Ich fokussiere mich hier ausschließlich auf die Künstler und Bands, die meine Favoriten des Festivals waren. Alle anderen habe ich entweder leider verpasst oder waren eben nicht meine Tasse Tee. Die Reihenfolge entspricht der Running Order. Mit The Builders & The Butchers konnte kaum ein passenderer Einstieg in das Festival gefunden werden. Denn als die Jungs aus Portland mit ihrem herzerfrischenden, treibenden Indie-Folk begonnen haben, waren die Regler des Festivalmodus direkt auf 11. Wie schon beim OBS 18 haben sie ein für mich sehr überzeugendes sowie begeisterndes Set gespielt. Steve Waitt ging es dann etwas entspannter, aber nicht minder intensiv an. Schön arrangierte Songs irgendwo zwischen Blues und Folk und eine Stimme, die jeden einzelnen im Publikum in Watte gepackt und durch den Gig getragen hat. Der anschließende Plattenkauf war hier natürlich unvermeidlich. Dass AnnenMayKantereit nochmal einen Abstecher nach Beverungen gemacht haben, zeigt, wie sehr das OBS bei vielen Künstlern im Gedächtnis bleibt. Quasi als Dank nochmal da aufzutreten, wo unter anderem die eigene Karriere begonnen hatte und, vergleichbar mit Gisbert zu Knyphausen, auf einen wahrscheinlich nicht gerade kleinen Anteil an Tantiemen zu verzichten, beweist wie die Jungs ticken. Auch wenn ich zu diesem Auftritt das Feld meiner Frau überlassen und mich um unseren Nachwuchs gekümmert habe, weiss ich um die Qualität von AMK. Ich habe sie in der Vergangenheit mehrfach live gesehen und kann sagen, dass sie zurecht diesen Erfolg haben. Und genau aus diesen genannten Gründen finden die Jungs hier Erwähnung. Mein ganz klarer Favorit des gesamten Festivals ist Moddi. Das war für mich persönlich einer der beeindruckendsten Auftritte meiner gesamten OBS-Zeit. Quasi der ausgestreckte Mittelfinger in Richtung sämtlicher reaktionärer, despotischer und unterdrückender Staaten. Lieder, die in ihren Ursprungsländern aus unterschiedlichsten Gründen verboten wurden, hat Moddi international verständlich umarrangiert und in bewegender Art und Weise dargeboten. Selten habe ich so ein tiefgreifendes politisches Statement verpackt in so wunderschönen Liedern erlebt. Und dann kamen Teksti-TV 666. Rembert war ja schon immer für ne Überraschung, bzw. eine Auflockerung bei der Auswahl der Künstler und Bands gut. Ob Ska der Moon Invaders, Gospeljazzrock von Reverend Shine Snake Oil Co. oder eben dieses Jahr Gitarrenaufdiefresse von ein paar durchgeknallten Finnen. Die Finnen also mal wieder, die den berühmten Vogel abschießen, ach was, einen ganzen Vogelschwarm mit ihrer Wall of Guitar erlegen. Und ich mittendrin. Und es war geil! Wintersleep konnten einem richtig leid tun. Dass sie es nach so einem Auftritt schwer haben würden, war klar. Auf der einen Seite diejenigen, die mit Teksti nun so gar nix anfangen konnten und froh waren, wieder gewohnten Klängen lauschen zu können und auf der anderen Seite die Leute, denen das Grinsen ins Gesicht eingebrannt schien. Da ich zu letzteren gehörte, mich allerdings auch sehr auf die Jungs aus Kanada gefreut habe, wurde der Gig für mich enorm schwierig. Von einigen Soundproblemen abgesehen, haben sie einen guten Job gemacht. Dennoch wollte das alles bei mir nicht so recht zünden. Selbst eine kurze Bierunterbrechung hat da nicht geholfen. The Dead South – Oh, we got both kinds of music. Country and Western. Der Surprise Act, der aufgrund einiger findiger Leutchen hier aus dem Gästebuch eigentlich schon keiner mehr war, aber dennoch (oder genau deswegen) nahezu jeden Festivalbesucher zu dieser frühen Stunde vor die Bühne gelockt hat. Es ist aber auch sehr schwer ihrem treibenden Bluegrass zu widerstehen. Das hat schon ne Menge Spaß gemacht. Wer braucht schon Kaffee, wenn er The Dead South als Muntermacher haben kann?! Giant Rooks haben mich schwer an Young Rebel Set erinnert. Mit dem Unterschied, dass sie einen wesentlich nüchterneren Eindruck hinterlassen haben als die Briten auf dem OBS 15. Und ich möchte an dieser Stelle eine Wette abschließen: Wetten, dass ich schon den ersten Hauptbühnenact für das nächste OBS kenne? Verdient hätten sie's. Yes We Mystic – Stichwort: Frisurenproblem (O-Ton Rembert). Es blieb wenn überhaupt tatsächlich das einzige Problem. Ansonsten haben die Kanadier alles richtig gemacht mit ihrer einzigartigen Mischung aus Art-Pop und Indie. Diverse Streich- und Gitarreninstrumente, gepaart mit Synthesizern und Samples habe ich in dieser Form und vor allem auch Qualität noch nicht kennengelernt. Das hat mich schon schwer begeistert. Und bei so viel künstlerischem Potenzial fallen doch gewöhnungsbedürftige Frisuren gar nicht mehr so ins Gewicht. Immanu El haben das OBS dann würdig beendet und meine bisherige Meinung über sie sehr geändert. Aus irgendwelchen Gründen hat diese Band mich 2012 nicht gepackt, obwohl der von ihnen praktizierte Musikstil eigentlich einer meiner absoluten Favoriten ist. Der diesjährige Auftritt hat mich dann ziemlich umgehauen. Lag vielleicht auch daran, dass ich dieses Mal direkt vor der Bühne stand und die Bässe meine Mütze zum Flattern gebracht haben. Das war schon beeindruckend, was für Soundwände Immanu El vor dem Publikum aufgebaut haben. Ein perfekter Gig, in allen Belangen. Spaß hat's gemacht, mal wieder, wie immer. Apropos Spaß, ich habe noch überlegt, ob hier auch das Thema „Witze“ Erwähnung finden sollte, habe mich aber dazu entschieden, dies in einen seehr großen Mantel des Schweigens zu hüllen. Sei's drum. Vielen Dank an Rembert, seine Crew und allen, die dieses Festival möglich gemacht haben.
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