Programm-Diskussion
Foto: Axel Hasselmann
Knapp 6 Wochen sind nun vergangen seit Beendigung des OBS 20. Bleiben also nur noch ca. 46 bis zum nächsten! Das Zimmer in der Pension unserer (meine Frau und ich) Wahl ist bereits gebucht. Es ist eine schöne Tradition geworden. Das OBS 20 war unser achtes. Und zugleich, wie wir finden, das schlechteste. Was bestimmt nicht am lausigen Wetter lag. Ich möchte das kurz begründen. Bei einem Festival, das über 2 1/2 Tage geht und keinem engeren Genre verpflichtet ist, erwarte ich musikalische Abwechslung. Die war schon 2015 leicht gestört. In der Abmoderation des OBS 19 von 2015 bemerkte Rembert, dieses OBS sei sehr rockorientiert gewesen. Das stimmte mit meiner Einschätzung überein, aber es gab noch genug Acts, die Abwechslung brachten. Keinesfalls erwarte ich, von allen Bands/Künstlern begeistert zu sein. Selbst wenn mich nur 6 Darbietungen reizen, würde mir das schon genügen. Und das hat das OBS 20 nicht mehr geschafft. Stellenweise fühlte ich mich eher wie auf den Hamburg Metal Days. Musste "Trümmer" noch aufspielen, wenn man schon "Die Nerven" hatte? Besonders schlimm der Sonntag: Love A, Spidergawd, Vita Bergen, Miraculous Mule. Oft gar keine Songs mehr, eher Jam-Sessions. Lärmige Gitarrenwände nebst Schlagzeugern, die vergeblich versuchten, ihre Arbeitsgeräte zu zertrümmern. Auf Schweinerock (die armen Schweine können doch nix dafür...), folgte Hardrock folgte Stonerrock. Wir alle haben unsere eigenen OBS-Sternstunden im Gedächtnis. Meine waren z.B. Baskery, Michael Sheehy allein in der Mittagssonne, Andrew Bird, Marissa Nadler, Slow Show, Nick Waterhouse, She keeps Bees, The Wood Brothers, Spain und einige mehr. Ich habe es gern, wenn ich die Instrumente, die ich auf der Bühne sehe, auch hören kann. Ein transparentes Klangbild. Im Gegenzug mag ich keinen Klangbrei, erst recht keinen lärmenden... Das OBS 20 hatte nur eine begeisternde Stunde, als My Baby spielten. Funky licks statt ununterbrochener Starkstromgitarren, eine geile Stimme (im Vergleich zum Xixa-Krächzen) und ein Schlagzeuger, der sich in den Dienst des Songs stellte. Eine gut geölte Maschine. Und am Ende ein nicht nur gut gemeinter Applaus, sondern ein donnerndes YES!
2004 bin ich zum Glitterhouse-Kosmos gekommen und seitdem ein leidenschaftlicher Katalogleser. Über diesen kleinen feinen Katalog bin ich mit Musik in Berührung gekommen, die ich bisher kaum oder gar nicht kannte. Instrumente wie Pedal Steel, Banjo, Fiddle, Trompete, Glockenspiel, ein akustischer Kontrabass, das Bearbeiten von Drums mit einem Besen, all das hat mir der Katalog nahegelegt. Genres wie Country nebst Countryrock, Soul, Blues, Alternative Country, Singer-Songwriter nebst Folk oder Reggae tauchen im OBS 20 so gut wie nicht mehr auf (vielleicht verschämt in kleinen Prisen am frühen Morgen mit Chantal Acda oder Luisa). Stattdessen: Gitarrengewitter und nervenzerfetzende Drums. Soll es auch gern weiter geben, aber bitte schön auch anderes. Rembert schrieb, das Festival muß sich verändern. Okay, aber die Frage sei erlaubt, in welche Richtung. Denn Lärmiges wird schon auf allen anderen Festivals angeboten. Klar, ein Festival muß sich tragen, ein Veranstalter möchte wenigstens mit einer schwarzen Null rauskommen. Tourpläne müssen gecheckt und Preise verglichen werden. Aber am Ende muß der Mix stimmen! Kurz: es gab viel zu viel RRRRRock! Noch nie habe ich soviele OBS-Veteranen in den Cafes Beverungens sitzen sehen. Und noch nie sowenige Cowboyhüte in der glitzernden Sonne... Und keine "Yeehaws" mehr! Wie wäre es mal mit einem Reggae im Stile von Fat Freddies Drop? Reggae und Sommer paste schon immer gut zusammen. Kann ich mir gut in Eurem Garten vorstellen! Der Katalog und das OBS, sie driften zusehends auseinander. Die monatlichen "On the decks" finden sich kaum wieder auf dem OBS. Diesen Eindruck haben wir gewonnen. Liebe Grüsse an alle im Glitzerkosmos. Ganz besondere Genesungswünsche an Reinhard: die Volumen 7-10 von "Keep on chooglin'" sind der Hammer! Liebe Grüsse Catherine und Klaus aus Hamburg


